Die
Entwicklung des Feuerlöschwesens im pannonischen Raum
Die vielfach vorherrschende Holzbauweise mit Strohdächern sowie der Umstand,
dass die Häuser eng aneinander gebaut waren, führte in den vergangenen
Jahrhunderten in unseren Dörfern zu wiederholten Brandkatastrophen.
So gab es am 10. April 1823 in Zemendorf ein großes Schadenfeuer, das fast die
ganze Gemeinde einäscherte. Da das wichtigste Brandbekämpfungsgerät damals der
Eimer war, standen die Menschen derartigen Katastrophen fast machtlos gegenüber.
Aus der Not dieser Zeit heraus, bildeten sich im vorigen Jahrhundert die
Freiwilligen Feuerwehren. Wohl gab es schon vorher verschiedene Verordnungen
sowie kaiserliche Befehle, Regierungserlässe und die Feuerpolizeiverordnung von
1838, die die Feuerordnung und die Löscharbeiten im burgenländischen-
westungarischen Raum regelten. Es bestanden jedoch vorläufig keine Maßregeln zur
Gründung von Feuerwehren.
Die erste staatlich anerkannte freiwillige Feuerwehr Ungarns gab es seit 1866 in
Ödenburg. Sie wurde von Lehrer Friedrich Rösch gegründet, der 1870 auch den
Ungarischen Landesfeuerwehrverband schuf. In der Folgezeit wurden Vorträge über
Gründung, Ausbildung und Ausrüstung von freiwilligen Feuerwehren abgehalten, an
welchen an die 400 Delegierte aus allen westungarischen Komitaten teilnahmen.
Dadurch kam es in den nächsten Jahren zur Gründung vieler Feuerwehren im
burgenländischen Raum. In der Verordnung von 1888 wurde schließlich jede
Gemeinde zur Erhaltung einer Feuerwehr verpflichtet.
Nun beeilten sich auch die Zemendorfer, eine Feuerwehr zu gründen, bevor sie,
wie es im Gründungsprotokoll heißt, vom Gesetz her dazu gezwungen würden.
15. Juni 1890:
Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Zemendorf
In einem alten Hilfsbuch der Zemendorfer Feuerwehr heißt es dazu wörtlich:
Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!
Einer für Alle, Alle für Einen!
„Die Gründung des Zemendorfer frwl. Feuerwehr Vereines. Intem es Gesetz wurde,
daß in jeder Gemeinde eine Feuerwehr zu Stande kommen muß, so hat man
getrachtet, daß Zemendorf keine Gemeinde von jenen sei, wo die Gemeinde vom
Gesetz gezwungen wird dazu.
Am 15ten Juni 1890 wurde unter Vorsitz des Herrn Gemeindevorstandes Leonhard
Schachinger eine constituierende Sitzung einberufen und indem die nöthigen
Feuerwehrmitglieder sich gemeldet haben wurde der Statutenentwurf vorgelesen und
auch angenohmen.“
Die ausübenden Mitglieder sind:
Mannschaft:
1. Ehren Präses H. Franz Domanovich, Dechant u. Pfarrer
2. Präses Herr Josef Wagrandl
3. Vice Präses H. Georg Strauhs
4. Obercommandant H. Köller Rudolf
5. Vicecommandant Franz Haider
6. Schriftführer: Georg Wagentristl
7. Cassier: Georg Huber
8. Requisitenmeister Johann Fertl
9. I Zugsführer Josef Hahnbauer
10. IIter Zugsführer Franz Hahnbauer a) 11. Mathias Kranz
12. Johann Köller
13. Franz Hahnbauer b)
14. Franz Dorner
15. Alois Altenburger
16. Franz Schiwer
17. Georg Schachinger
18. Franz Schmiedbauer
19. Alois Hahnbauer
20. Josef Maier
21. Josef Hosiner (Hornist)
22. Anton Giefing
23. Johann Altenburger
24. Johann Auer
25. Michael Hosiner
26. Michael Schwentenwein
27. Johann Schwentenwein (Hornist)
28. Paul Hahnbauer (Vereinsdiener)
Von den Mitgliedern ist ausgetreten: Franz Hahnbauer b) eingetreten Georg Pinter
(Anmerkung: Die Niederschrift wurde erst 1892 verfasst)
Gründende Mitglieder:
1. H. Franz Domanovich
2. H. Dr. Gustav Degen (Abgeordneter)
3. H. Josef Wagrandl
4. H. Leonhard Schachinger
5. H. Georg Strauhs
6. H. Adolf Pieringer
7. H. Franz Wrenkh
8. H. Josef Thom
9. H. Michael Dorner
Weiters werden noch 60 “Unterstützende Mitglieder” angeführt.
Einsätze in
den letzten 10 Jahren
Zwei Jahre nach ihrer Gründung, nämlich am 11. April 1892,
trat die FF - Zemendorf zum ersten Mal in Aktion, und zwar bei einem
Scheunenbrand in Stöttera, so sie laut Aufzeichnung im bereits angeführten
Hilfsbuch als erste zur Stelle war. Dass trotzdem zwei Scheunen abbrannten, mag
an der damaligen Ausrüstung der Wehr und an der Beschaffenheit der Scheunen
gelegen sein.
Unmittelbar darauf brannte das Zemendorfer Gasthaus. Der darüber vorliegende
Bericht lautet: „Am 28. April 1892, 5 Uhr abends fing das Zemendorfer Gasthaus
zu brennen an. Die zemendorfer Feuerwehr war so rasch am Brandplatze, dass durch
ihre große und gefahrvolle Anstrengung die Mühle des Herrn Adolf Pieringer
welche schon brannte, gerettet wurde. Bei diesem Feuer erntete die zemend.
Feuerwehr allgemeine Anerkennung. Von diesen Tage an wurde der Verein welcher
früher auf schwachen Fuß stand sehr unterstützt, so dass mann das Aufblühen des
Vereins hoffen konnte. Es brannten ab:
das Gasthaus
2 Wirtschaftsgebäude
1 Scheuer vom Herrn Georg Strauhs,
1 Wohn und Wirtschaftsgebäude 1 Scheuer v. Herrn Neudinger.“
Am 28. Juli 1892 war die Feuerwehr bei einem Großbrand in Krensdorf „thätig“,
bei dem 7 Häuser ein Raub der Flammen wurden.
Noch im selben Jahr gab es zwei Einsätze bei Scheunenbränden jeweils in
Krensdorf und in Stöttera.
Am 22. Dezember 1892 brannten in der Nacht in Zemendorf 3 Scheunen ab, und zwar
die von „Herrn Glatz, Schwentenwein und Wilfing. Die Feuerwehr war zwar rasch am
Brandplatze, konnte aber wenig helfen, weil die Spritze den Dienst versagte.“
1893 rückte die Feuerwehr siebenmal aus, davon sechsmal in den Nachbargemeinden
und einmal in Zemendorf, wo die Scheune des Herrn Holzinger abbrannte.
1894 half die Wehr beim Löschen eines Großbrandes in Pöttsching, bei dem 13
Scheunen und 11 Nebengebäude niederbrannten. Im gleichen Jahr brannten in
Zemendorf eine Scheune (Schwentenwein) und in Antau 2 Scheunen und ein
Nebengebäude.
Auch 1895 gab es mehrere Einsätze in unseren Nachbargemeinden.
Am 26. Feber dieses Jahres legte „ein Thäter, der noch am selben Abend erwischt
wurde, in Zemendorf an vier Stellen Feuer, wovon ihm 2 gelungen waren.“ Die
Scheune des Vinzenz Schwentenwein und der Witwe Kroyer fielen den Flammen zu
Opfer.
In den folgenden Jahren gab es wieder einen Scheunenbrand in Zemendorf (Werner)
sowie einige Einsätze in Pöttelsdorf, Krensdorf und Mattersburg; in letzterem
brannten 5 Häuser ab.
Im Juni 1900 wütete in Zemendorf ein Großfeuer. 7 Häuser brannten fast
vollständig nieder; als Namen der Besitzer werden angeführt: Gross Johann,
Schmiedbauer, Pinter, Köller, Lehner, Hahnbauer, Schwentenwein (heutige
Mühlgasse).
Brände in unserer Gemeinde nach 1900
Auch in den Jahren nach 1900 gab es Scheunenbrände in Zemendorf: 1908 bei Haider
Franz und Hahnbauer Johann, 1910 bei Josef Mayer, 1911 bei Hahnbauer Michl.
Am 7. Mai 1911 stand in der Nacht die Mühle des Josef Wagrandl in Flammen. „Die
Feuerwehr war bis 6 Uhr früh thätig“, heißt es im Hilfsbuch.
1913 wird wieder ein Scheunenbrand vermerkt (Wagenhofer Michl)
Von der Zeit des ersten Weltkrieges fehlen Aufzeichnungen.
1920 brannte das Wohngebäude der Theresia Brandl ab.
In den folgenden Jahren bis zum zweiten Weltkrieg gab es nur einige
Scheunenbrände (Pinter Michael, Buchinger Johann durch Blitzschlag) sowie den
Brand mehrerer Strohtristen.
1933 brannte es im Gemeindehaus. Über das Ausmaß des Schadens wird aber nichts
genaueres berichtet.
Von 1935 bis 1947 gibt es keine Aufzeichnungen.
1947 brannten die Dachstühle zweier Gebäude ab (Josef Holzinger in
Kleinfrauenhaid und Michael Haider in Zemendorf)
Am 29. April 1948 griff ein Waldbrand auf Draßburger Hotter auf den Zemendorfer
Wald über.
Am 16. März 1962 brannte die Kirschenhütte ab. In den Jahren 1960, 1962, 1963
half die Wehr beim Löschen von Waldbränden in Draßburg bzw. in Pöttelsdorf und
in Forchtenau.
Am 1. Juni 1977 zündelten zwei kleine Buben in der Scheune von Maria Gölbel. Die
Feuerwehr konnte größeren Schaden verhindern.
Am 11. August 1979 löschte die Wehr einen Zimmerbrand im Gasthaus Fröch.
Am 8. April 1984 kam es zu einem Brand im Heizraum des Hauses Kroyer Franz, den
unsere Wehr nach 15 Minuten unter Kontrolle brachte.
Im April 1985 gab es einen Waldbrand auf der Dreieckwiese.
Am 14. März 1987 brach in der Scheune des Schmidtbauer Georg ein Feuer aus und
am 31. August 1990 in der Tischlerei Reiser. In beiden Fällen konnte der Brand
sehr rasch unter Kontrolle gebracht werden.
Neben diesen Brandfällen in der Gemeinde selbst gab es immer wieder Einsätze in
den Nachbargemeinden, vor allem auch im nächstgelegenen Stöttera.
Die
Ausrüstung der Feuerwehr
Über die erste Ausrüstung unserer Feuerwehr wird im Gründungsprotokoll nichts
erwähnt. Es ist aber anzunehmen, dass es sich um eine alte übertragene Spitze
handelte, denn schon im ersten Jahr ihres Einsatzes, im Dezember 1892, versagte
sie ihren Dienst. So wurde 1893 eine neue
Handdruckspritze angeschafft. Sie wurde in Wien samt 130 m
Rohkautschukschläuchen und den dazugehörigen Requisiten um 1020 fl (=Gulden)
gekauft und war in vier Jahresraten zu bezahlen. Die Spritze wurde am 9. Juli
1893 von der Raaberbahn in
Wulkaprodersdorf festlich abgeholt und am 23. Juli 1893 feierlichst eingeweiht.
Ein Zeitungsbericht beschreibt „den schönen und gedenkvollen Tag“.
„Zemenye, 24. Juli. Spritzen-Einweihung. Sonntag, den 23. Juli wurde in der
Gemeinde Zemendorf ein schönes, ewig denkwürdiges Fest gefeiert; das Fest der
Einweihung der neuen Feuerspritze. Nach feierlichem Empfang der geladenen
Feuerwehren aus Mattersburg, Walbersdorf, Pöttelsdorf, Neudörfl. Pöttsching,
Krensdorf, Vulka-Prodersdorf, Antau, Hirm, Stöttera und Draßburg, begann 3 Uhr
Nachmittag der Aufmarsch sämmtlicher Feuerwehrvereine, deren Zahl 300 Mann war,
von dem beflaggten Gemeindegasthaus aus unter Begleitung zweier Musikkapellen
nach dem praktisch arrangirten Festplatze, wo Hochwürden Herr Dechant und
Ortspfarrer Franz Domanovich aus Kl. Frauenhaid unter der Assistenz der hochw.
Herrn Josef Fischer, Domkaplan in Pressburg, und Jakob Perusich, Caplan in
Steinberg, die Einweihung vornahm.“
In etwas kleinerem Rahmen, aber doch auch unter Beteiligung sämtlicher
Feuerwehren der Umgebung, fand die Einweihung der ersten Motorspritze am 24.
August 1930 statt.
Schon im Jahr davor war zu deren Transport „das in Mattersburg stehende Lastauto
des Herrn Kowatsch“ angekauft worden, da es laut Protokoll „mit der Bespannung
in der Gemeinde schlecht stand“. Es wurde beschlossen, das Fahrzeug nicht nur
zum Spritzentransport, sondern auch zur Beförderung der Kranken zu verwenden.
„Am 23. März 1930, 7h früh übergab Herr Schlossermeister Anton Kremsner das
vollkommen fertiggestellte Sanitätsauto der Freiwilligen Feuerwehr“.
Innerhalb des Feuerwehrvereines wurde eine eigene Rettungsabteilung gegründet,
als deren Leiter und „Chefarzt“ Dr. Emmerich Wocelka genannt wird.
1933 schon, musste man das Auto wegen fortwährender Reparaturen ganz aus dem
Verkehr ziehen und wieder zu Pferdebespannung zurückkehren.
Im Jahr 1951 ging man an die Erbauung eines Gerätehauses. Es wurde am 28. August
1951 im Rahmen des 60jährigen Gründungsfestes feierlich eingeweiht.
1957 bekam der Verein eine neue Motorspritze, deren Segnung am 11. August
stattfand.
Langsam wurde immer mehr auf moderne Ausrüstung gesetzt: Im Jahre 1963 wurde
eine Schmutzwasserpumpe angekauft.
1978 erhielt die Feuerwehr ein modernes Löschfahrzeug, das von der Ortsfeuerwehr
Liechtenwörth um 100.000 S angekauft wurde. Die Einweihung erfolgte am
Pfingstmontag desselben Jahres.
1984 war die Anschaffung einer neuen Schmutzwasserpumpe notwenig geworden.
1990 wurde ein Tanklöschfahrzeug TLF 1000 angekauft. Die Feierlichkeiten fanden
am 15. bis 17. August 1990 statt. Dieses Fahrzeug ist bis zu heutigen Tag noch
im Gebrauch.
1995 ging eine weitere Investition der Feuerwehr über die Bühne - eine
Tragkraftmotorspritze wurde angekauft.
1999 fand die Segnung des neuen Feuerwehrhauses gleichzeitig mit dem 110jährigen
Bestandsjubiläum statt.
Die Feuerwehr braucht Geld
Zu einer wirksamen Brandbekämpfung sind neben einer gut ausgebildeten Mannschaft
vor allem auch funktionstüchtige Löschgeräte nötig. Die aber kosten Geld. So
wurden schon seit den Gründungsjahren der Feuerwehr Wege zur Aufbringung der
erforderlichen finanziellen Mittel gesucht und gefunden.
Einen wesentlichen Teil trug von Anfang an die Gemeinschaft aller Bürger, die
Gemeinde. Daneben gab es, ebenso von der Gründungszeit her, die unterstützenden
Mitglieder – im Jahr 1890 waren es 60 an der Zahl -, welche durch ihren
Mitgliedsbeitrag, dessen Höhe die Generalversammlung festlegte, die Auslagen der
Feuerwehr mitfinanzieren halfen. In den Jahren der großen Inflation nach dem
ersten Weltkrieg waren dies die horrend erscheinenden Beträge von je 20.000,
bzw. im Jahre 1925 schon 25.000 Kronen.
1926 betrug der jährliche Mitgliedbeitrag nur mehr 2 S 50 g.
Auch die Feuerwehr selbst trug seit jeher zur Finanzierung notweniger
Anschaffungen bei. Schon 1893 scheinen
unter den Einnahmen solche von Balleintritten, Losverkäufen und Eintrittsgeldern
beim Christbaumfest auf. Besonders letzteres wurde zu einer ständigen
Einrichtung. Es fand jeweils am 26. Dezember statt und wurde mit Ausnahme der
Kriegsjahre fast lückenlos bis einschließlich 1960 abgehalten. Bei der
mitternächtlichen Verlosung teils gespendeter, teils gekaufter Gegenstände war
über viele Jahren hin eine Pendeluhr begehrter Haupttreffer. Ihr Kaufpreis wird
in der Rechnungslegung von 1893 mit 10 fl
(Gulden) vermerkt.
Im Fasching gab es einen Feuerwehrball. Auch Theateraufführungen wurden
inszeniert und Tombolas veranstaltet.
Einladung: Zemendorfer Feuerwehrball 1929
Am 29. August 1927 gab es bei einer großen Tombola folgende Treffer:
1. eine Kuh mit Kalb
2. eine Nähmaschine
3. ein Damenfahrrad
4. ein Herrenfahrrad
5. ein Herrenfahrrad
6. eine Küchenkredenz
7. eine Futterstoßmaschine, ferner eine zweiteilige Egge, eine Pendeluhr und
eine Küchenuhr
Die Ausgaben für diese Preise betrugen 2.500 S. Es wurden 7.000 Lose zu je 50 g
verkauft.
Gegenwärtig bemüht sich die Feuerwehr durch Haussammlungen jeweils am Tag der
Feuerwehr, sowie durch Überreichung von Kalendern zum Jahresbeginn und durch
Veranstaltung von Kirtagen und Wandertagen ihre Finanzen aufzubessern.